»Urkunde für eine Gesellentätigkeit«, 1735
Projekt, 2002
Gesellschaft der Freunde des Dessau-Wörlitzer Gartenreiches e. V.
Durch die Unterstützung der Gesellschaft der Freunde des Dessau-Wörlitzer Gartenreiches e. V. konnte Anfang des Jahres 2002 dieses außergewöhnliche Dokument aus dem Berliner Kunsthandel für die Kulturstiftung DessauWörlitz erworben werden.
In erstaunlich repräsentativer Form wird anhand dieser Urkunde die einjährige Gesellenzeit eines Gärtners bestätigt. Ausgestellt wurde sie durch »Lorentz Wiegand Jetziger Zeitbestallter Hoff und Lust Gärttner« am 21. November 1735. Aus dem Dokument geht hervor »dass VorZeiger diesses der Ehrbare und kunstliebende Gärtnergeselle Christian Götze allhier in den Fürstlichen lust Garten Ein Jah Lang vor einen gesellen gedienet und Sich solcher Zeit über in seinen diensten from getreu und fleissig, Alss Einen Ehrlichen Gärtner gesellen Eygnet und gebühret verhalten …« hatte.
Das mit der Fürstenkrone geschmückte Wappen von Anhalt-Dessau verweist auf den Dienstherren des Hofgärtners, den »Durchlauchtigsten Fürsten und Herren Herren Leopold Ältester Regirender Fürst zu Anhalt …«. Leopold I., der »Alte Dessauer« dienste als »Seiner königlichen Majestaet in Preußen Höchst bestalter Generall Feld Marschall Würklicher geheimbter kriegs Rath …«. Die militärischen und landesherrlichen Komponenten überwiegen selbstverständlich im Wirken des berühmten Fürsten. Über die Gartenkunst zu seiner Zeit in der Residenz Dessau ist wenig bekannt. Entsprechend selten geben Dokumente darüber Auskunft.
Die figürliche Darstellungen der Urkunde zeigen biblische Motive: Die Erweckung Evas aus der Rippe Adams, den Sündenfall und schließlich die Vertreibung aus dem Paradies. An christlichen Tugenden gemahnen die emblematischen Rundbildchen am Rande.
Die floralen Illustraionen, zartfarbig koloriert, zeigen die Früchte gärtnerischen Schaffens: Erdbeeren und Kirschen sowie Rosen, Tulpen und Nelken. Mir besonderem Stolz aber wird in der unteren Mitte des Blattes dem Betrachter eine blühende Agave vorgestellt – ein Ergebnis, dass auch heute nich in den Gärten nördlich der Alpen eine kleine Sensation ist.
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