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Der historische Gasthof „Zum Eichenkranz“ erstrahlt in neuem Glanz

Bild Eichenkranz Seeseite

Der Ruhm des von Fürst Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau geschaffenen englischen Gartens zu Wörlitz lockte Mitte der 1780er Jahre immer mehr Bildungsreisende des Adels, Gelehrte und Künstler in das kleine Fürstentum Anhalt-Dessau. Diese benötigten standesgemäße Unterkunft, wollten sie nicht ständig im Schloss des Fürsten zu Gast sein.

Um seinen Gästen größere Freiheit und Zwanglosigkeit zu geben, gab Fürst Leopold Friedrich Franz den Bau eines Gästehauses in Auftrag, das im Jahr 1787 als Gasthof „Zum Eichenkranz“ und Tor zur Parkstadt Wörlitz eröffnet wurde. Experten sind sich sicher, dass des Fürsten Baumeister Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff dieses architektonische Kleinod erschuf. Nach der Fertigstellung schenkte der Fürst den Gasthof seinem Baudirektor Christoph Hesekiel. Der Eichenkranz wurde sowohl Unterkunft als auch Treffpunkt, um zu debattieren, zu philosophieren und von dort aus die Schönheiten des Wörlitzer Parks zu erkunden.

Als Gasthof mit Unterkünften, Gastronomie und als Veranstaltungsort wurde der Eichenkranz, wenn auch in kleinerem Rahmen, noch bis in die Neuzeit betrieben. Erst kurz nach 1990 schloss das Haus endgültig und war so einem weiteren Verfall Preis gegeben, den die vielen Besucher des Gartenreichs mit tiefem Bedauern wahrnahmen.

Im Juni 2002 ergriff der Vorsitzende der Gesellschaft der Freunde des Dessau-Wörlitzer Gartenreiches e.V., Prof. Dr. Rolf Budde die Initiative zur Rettung des geschichtsträchtigen Bauwerkes getragen von der gemeinsamen, kühnen Vision weiterer Mitglieder des Vorstandes, den Eichenkranz als eines der wichtigen Bauwerke im Gartenreich als dem Weltkulturerbe zugehörig mit dem Ziel zu sanieren, ihn wieder als kulturelles und gesellschaftliches Zentrum der Öffentlichkeit zu übergeben. Nach Zustimmung des Vorstandes und der Mitglieder der Gesellschaft übernahm diese von der Stadt Wörlitz den Eichenkranz im April 2004 mit einem Erbbaupachtvertrag für neunzig Jahre.

Nun begann eine Erfolgsgeschichte, die vom großen Mut, enormen Enthusiasmus und viel Tatendrang des ehrenamtlichen Wirkens vieler Mitglieder der Gesellschaft getragen wurde. Durch Spenden, Benefizveranstaltungen und verschiedene Aktionen wie beispeilsweise die Sponsorsteinwand im angrenzenden Kaffeegarten wurden für Förderanträge notwendige Eigenmittel aufgebracht. Bis zum Jahr 2008 konnten so 700.000 € Fördermittel des Landes Sachsen-Anhalt für erste Sicherungs- und Sanierungsmaßnahmen verwandt werden.

Ein im Juni 2008 in der Zeitschrift der Deutschen Stiftung Denkmalschutz „Monumente“ veröffentlichter vierseitiger Artikel unter dem Titel „Stifter gesucht“ hat diesem eigentlich artfremden Projekt eines Kulturvereins einen ganz besonderen Schub gegeben. Eine anonyme Wohltäterin las diesen Artikel sehr aufmerksam und spendete schließlich den unglaublich großzügigen Betrag von 1 Million € für das Vorhaben. Mit diesem Eigenkapital konnten Zuwendungen der Europäischen Union, des Bundes und des Landes in Höhe von 2 Millionen € aus dem „Kulturinvestitionsprogramm“ für die Sanierung des Eichenkranz erschlossen werden.

Die Etappen der baulichen Sanierung des Gesamtkomplexes lassen sich in zwei Phasen zusammengefasst darstellen.

2003 bis 2007
 Umfangreiche ehrenamtliche Einsätze der Mitglieder der Gesellschaft zur Beräumung des Gebäudes sowie zur Sicherstellung noch vorhandener Gegenstände der Einrichtung,

 Einrüstung der Fassade, Abdichtung der Dächer, Reparatur der Dachentwässerung, Abbruch von Gebäudeteilen, Schwammsanierung,

 Trockenlegung des Gebäudekomplexes, Rohbau-, Zimmerer- und erste Ausbauarbeiten am Hauptgebäude, Sanierungsarbeiten am Gartenpavillon, am Saalanbau sowie am Badehaus, Herrichtung der Außenanlagen.

2007 bis 2013/14
 Voruntersuchung und Planung für das Hauptgebäude, Fortsetzung der Grundsanierung des Saales (Innenausbau, Heizung, Lüftung)

 Neuerrichtung des Wirtschaftsgebäudes,

 Gesamtmaßnahme der baulichen Restaurierung des Hauptgebäudes in allen Bau- und Ausbaugewerken (einschließlich Brandschutz, Sicherheits- und Nachrichtentechnik),

 Fertigstellung des Saales sowie der Außenanlagen.

Der Gasthof beherbergte noch einen weiteren Schatz: über 200 qm historische Leinwandtapeten, die in verschiedenen Räumen z.T. als Reste vorgefunden worden. Die teilweise mehrfach mit Papiertapeten überklebten oder überstrichenen Tapeten stammen alle aus der Ursprungszeit des Eichenkranzes und mussten gerettet werden. Im Jahr 2006 wurden diese Reste der Leinwandtapeten gesichert.

Die Ostdeutsche Sparkassenstiftung und die Sparkasse Wittenberg konnten in der Überzeugung von der Einzigartigkeit des Vorhabens für die Finanzierung der aufwendigen Restaurierung der historischen Leinwandtapeten gewonnen werden.Die Restaurierungsarbeiten begannen 2010 und werden 2015 abgeschlossen. Damit wird eine weitere Attraktion im sanierten Gebäude zu erleben sein.

Der im Juni des vergangenen Jahres mit restaurierten Leinwandtapeten komplett ausgestattete „Raum mit den blauen Masken“ vermittelt einen ersten eindrucksvollen Einblick in diesen besonderen Schatz des Eichenkranzes. Im Jahr 2015 folgen dann weitere Räume, in denen die mit verschiedenen Motiven gestalteten restaurierten Leinwandtapeten zu sehen sein werden.

Im vergangenen Jahr konnte die bauliche Sanierung des Gebäudes abgeschlossen werden. Bereits während der abschließenden Bauarbeiten ist wieder Leben in den Gasthof „Zum Eichenkranz“ eingezogen. Seit vier Jahren finden jeweils im September Konzerte der Anhaltischen Kammermusiktage im Saal statt. Das Kurt Weill Fest Dessau hat erstmalig im vergangenen Jahr begeistert gefeierte Aufführungen im Eichenkranz durchgeführt und wird 2015 sechs Veranstaltungen in der Zeit vom 28. Februar bis 07. März 2015 dem Festival-Publikum in Wörlitz anbieten.
Konzerte zu verschiedenen Anlässen, Lesungen, Theateraufführungen und musikalisch-kulinarische Veranstaltungen haben den Eichenkranz bereits in der Öffentlichkeit als kulturelles Zentrum im Dessau-Wörlitzer Gartenreich bekannt gemacht.

Mit der im Juni vergangenen Jahres eröffneten Dauerausstellung „Hier ists jetzt unendlich schön“ wird die Historie der europäischen Gartenkunst wirkungsvoll veranschaulicht. Eine Vielzahl von Leihgaben der Kulturstiftung DessauWörlitz zeigt die Entwicklung bis zum ersten Englischen Garten auf dem europäischen Festland durch Fürst Leopold Friedrich Franz in Wörlitz. Die hervorragenden Modelle von Schloss, Küchengebäude, Pantheon, von der Insel Stein und vom gesamten Wörlitzer Park ermöglichen einen erweiterten Blick auf das Gartenreich und regen zum Besuch der Originale an.

Die Ausstellung ist ab Ende März bis Ende Oktober 2015 bei geführten Rundgängen durch den Eichenkranz jeweils an den Wochenenden samstags und sonntags sowie an Feiertagen zu erleben.

Darüber hinaus stehen der Saal, das Kaminzimmer und weitere kleinere Räume des Eichenkranzes zur Vermietung für die verschiedensten Anlässe bereit. So fanden Konferenzen, Arbeitstagungen, festliche Zusammenkünfte sowie Meetings und Kamingespräche von Institutionen und Einrichtungen in der Vergangenheit statt.

Natürlich eigenen sich die Räumlichkeiten mit Ihrer ganz besonderen Ausstrahlung auch für Hochzeitsfeste, Geburtstags- und andere Familienfeiern, s. auch Vermietungen

Auch im Jahr 2015 wird sich der historische Gasthof „Zum Eichenkranz“ mehr und mehr öffnen und zum Besuch einladen.

Viel gäbe es noch zu erzählen. Am besten, man schaut selbst einmal vorbei.

 

Der historische Gasthof »Zum Eichenkranz« in den Wörlitzer Anlagen

Eichenkranz

Jeder Besucher der Stadt Wörlitz durchschreitet während seiner Streifzüge durch die Wörlitzer Anlagen das große Tor des sogenannten “Eichenkranzes”

Kein Geringerer als Fürst Franz ließ den “Großen Gasthof” im 18. Jh. errichten. Das Gästehaus erlangte wegen der schönen Aussicht und der geschmackvollen, modern möblierten Zimmer große Berühmtheit. In der langen Gästeliste finden sich Namen wie Schinkel, Hölderlin und Novalis.

In dem Jahrzehnt nach 1990 verfiel der “Eichenkranz” zusehends. Neben den offensichtlichen, äußerlich erkennbaren Schäden, ergab eine Analyse der Bausubstanz die dringende Notwendigkeit entschlossenen Handelns.

Die Bestandsaufnahme brachte überraschende Details zu Tage. So sind z. B. historische Tapeten aus dem 18. Jh., wenn auch in kritischem Zustand, erhalten geblieben. Ebenso konnten Teile verschiedener Porzellanservices sichergestellt werden.

 

Die Restaurierung des Eichenkranzes durch großzügige Förderung und Spenden

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Dank der großzügigen Förderung der Restaurierung des “Eichenkranzes“ durch

• die Europäische Union (Kultur- Investitions-Programm)
• die Bundesrepublik Deutschland (Kultur- Investitions-Programm)
• das Land Sachsen-Anhalt (Mittel für den Denkmalschutz)
• die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (Spenden)
• die Ostdeutsche Sparkassenstiftung
• die Sparkasse Wittenberg sowie
• Lotto Sachsen-Anhalt

und der Unterstützung vieler Spender, darunter Großspender, ist es jetzt schon deutlich sichtbar gelungen, den einmaligen Baukörper in den Wörlitzer Anlagen vor dem Verfall zu bewahren.

 
 
technische Umsetzung durch: Systemhaus Wittenberg